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Impactful Coach
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Episode 25Interview33 min

Learn Coaching with Picture Cards: Dr. Jasmin Messerschmidt About Accessing Emotions and Body Sensations Through Pictures

with Jasmin Messerschmidt, Inhaberin/Owner, Management Consultant

Auch auf Deutsch: Lerne Coaching mit Bildkarten: Dr. Jasmin Messerschmidt über den Zugang zu Emotionen und Körpergefühl durch Bilder

Transcript

Edited for readability: filler words removed, names checked. It may still contain errors. The audio is the source of truth.

Jasmin Messerschmidt

Dann hat sie sich ein Bild ausgesucht mit einer Pflanze, und dann hat sie auf einmal angefangen, Tränen in die Augen zu bekommen und zu weinen, weil sie einfach gemerkt hat, dass sie an sich selber, an ihren Bedürfnissen ganz stark vorbeigelebt hat. Manchmal wirkt so ein Bild einfach enorm stark, selbst wenn man es als Coach nicht vermutet.

Tobi

Und Bilder, vielleicht auch in Verbindung mit dieser körperlichen Kalibrierungsübung, die du vorhin beschrieben hast: Kann ich damit sozusagen etwas an die Oberfläche holen, wozu ich kognitiv keinen Zugang habe?

Jasmin Messerschmidt

Das hat mir ein Klient mal gesagt: Das Beste, was Sie mir mitgegeben haben, Frau Messerschmidt, das war das Bild.

Intro

Tobi

Willkommen zu einer ganz besonderen Folge des Making of a Coach Podcasts. Ich bin Tobi von metaFox, und viele von euch kennen mich, den Podcast und metaFox vielleicht über die deep pictures Bildkarten, die wir seit 2018 entwickeln. Damit haben wir das etablierte Konzept Bildkarten neu und ein bisschen moderner aufgelegt. Und vielleicht habt ihr auch schon mal einen Gesprächseinstieg mit Bildkarten gestaltet oder arbeitet sogar intensiver mit Bildern in der Moderation. Meine Gästin Jasmin Messerschmidt tut das jedenfalls, und sie arbeitet nicht nur einfach mit Bildkarten, sondern sie hat sogar ihre Promotion, ihre Doktorarbeit, zum Thema Bildkarten im Coaching gemacht.

In ihrem Unternehmen Messerschmidt Consulting coacht sie selbst und bildet auch Coaches aus, unter anderem im Zürcher Ressourcen Modell und in der Arbeit mit Bildkarten. Für den Springer Verlag hat sie das Buch »Professionell coachen mit Bildmaterialien« geschrieben, das ich schon vor einiger Zeit gelesen hatte.

Sie ist also wirklich eine Expertin auf dem Gebiet. Diese Folge ist damit die Gelegenheit, das Thema Bilder im Coaching, in der Arbeit mit Menschen, noch mal so richtig aufzumachen. Und das zweite Thema, das daraus für mich ein bisschen überraschend erwachsen ist in dieser Folge, ist die Frage: Wie kann ich meinen Klientinnen und Klienten Zugang zu ihren Körpergefühlen verschaffen? Wie kann ich ihnen vielleicht sogar helfen, ein Bild mit dem Körper auszusuchen? Jasmin und auch das Thema Bilder im Coaching kommen ja aus dem deutschsprachigen Raum, während dieser Podcast sonst auf Englisch ist.

Ich hatte aber so Bock auf das Thema und auf das Gespräch mit Jasmin, dass wir heute ein kleines Experiment wagen. Denn wir haben dieses Gespräch auf Deutsch geführt. Wenn ihr mich also gerade Englisch sprechen hört, dann hört ihr tatsächlich eine AI-generierte Übersetzung. Wie so oft haben wir das Gespräch natürlich mit einer kleinen

Bildkartenübung gestartet und Jasmin aus dem Doorway-Effekt-Bildkartenset eine Tür auswählen lassen.

Ich habe ihr die Frage gestellt: Welche Tür hat sich denn für dich geöffnet durch die Arbeit mit Bildern? Lass uns also direkt reinspringen, Jasmin zunächst mal zu ihrem eigenen Bild reflektieren lassen und sie darüber kennenlernen. Let's go!

Bild-Icebreaker

Jasmin Messerschmidt

Also, das ist ein Bild, das könnte gut in Marokko sein. Ich war noch nie in Marokko, aber so stelle ich mir Marokko vor. Es ist ein Fliesenfußboden, und es ist ein gelber Raum, der marmoriert gelb ist. Es sieht aus wie ein lichtdurchfluteter Raum, der aber Schattierungen hat, in unterschiedlichen Orange- und Gelbtönen.

Ganz viel Wärme strahlt er aus. Vor mir sehe ich noch eine kleine Lampe. Und da geht eine Tür, eine geschwungene marokkanische Tür in diesem typischen Ornament, öffnet den Raum zu einem nächsten Raum, der ähnlich aussieht, auch ein Fliesenboden, auch eine gelbe Wand. Und man hat den Eindruck, es gibt einen dahinter, es gibt noch mehr als das, was man auf den ersten Blick sieht.

Das ist die Beschreibung, und die Resonanz, die es erzeugt, ist Sehnsucht: hinter das, was offensichtlich ist, durchzugehen, in das Neue reinzugehen, das bisher Unbekannte, und den nächsten Raum, der sich anschließt, zu entdecken.

Das könnte auch was mit meinen orientalischen Wurzeln zu tun haben. Mein Vater war Iraner. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass mich das so ein bisschen anzieht. Für mich hat Coaching mit Bildern sehr viel damit zu tun, was da tiefer noch ist. Und Bilder machen es sehr leicht, durch diese Türen zu gehen.

Bilder öffnen, Bilder machen nicht zu, sondern Bilder sprechen Emotionen an und laden den Klienten ein, sich darauf einzulassen und zu gucken, was macht das Bild mit ihm oder ihr.

Tobi

Das heißt, die Neugier, was hinter dem Raum steckt, war dann auch das, was dich zur Arbeit mit Bildern geführt und dranbleiben lassen hat.

Jasmin Messerschmidt

Ja, und auch die Möglichkeit, gerade bei Führungskräften. Welche Führungskraft redet gerne über ihre Emotionen? Mittlerweile vielleicht schon eher, aber vor 10, 15 Jahren war es viel schwieriger. Und gerade wenn man dann Menschen im Coaching hatte, die sich nicht so öffnen wollten oder konnten, aufgrund von persönlichen Erfahrungen, oder weil sie ins Coaching geschickt worden sind, weil es nicht ganz freiwillig war. Das hat mir ein Klient mal gesagt:

Das Beste, was Sie mir mitgegeben haben, Frau Messerschmidt, das war das Bild. Und ansonsten war er sehr zögerlich mit Emotionen und mit Einblicken in sein Inneres.

Tobi

Hast du da noch weitere Beispiele?

Jasmin Messerschmidt

Ja, ich habe eine ganze Menge Beispiele. Ich habe zum Beispiel eine Frau im Coaching gehabt, die kam zu mir und wollte ihr Unternehmen strukturieren. Sie war Geschäftsführerin und hat 80, 90 Stunden gearbeitet und wollte neue Mitarbeiter akquirieren, wollte eine Kampagne entwickeln. Dazu ist sie ins Coaching gekommen, und wir haben daran gearbeitet, ein, zwei Stunden.

Und dann habe ich ihr Bilder vorgelegt und habe gesagt, wir machen heute mal was anderes, und habe sie gefragt, welches Bild sie anspricht. Und dann hat sie sich ein Bild ausgesucht mit einer Pflanze, und dann hat sie auf einmal angefangen, Tränen in die Augen zu bekommen und zu weinen, weil sie einfach gemerkt hat,

dass sie an sich selber, an ihren Bedürfnissen ganz stark vorbeigelebt hat. Und das wurde ihr durch dieses Bild auf einmal massiv vor Augen geführt. Ja, so etwas. Oder andere Führungskräfte, die diesen Umgang mit Autorität nicht wollten, die Autorität oder Macht nicht einsetzen wollten, die damit Schwierigkeiten hatten und aber von einigen Mitarbeitern gegen die Wand gespielt worden sind. Ich erinnere mich an welche, die sich auch schwer durchsetzen konnten, weil sie mit dieser Macht nicht umgehen konnten oder wollten.

Und da habe ich mit einer Führungskraft gearbeitet, die hat sich dann einen Wolf ausgesucht, oder einen Fuchs, ich weiß es nicht mehr, und hat dann ein Ziel entwickelt: Bei mir ist die Macht in guten Händen. Und damit konnte er dann gut führen. Also, Bilder ermöglichen den Zugang zu ganz tiefen inneren Glaubenssätzen, ohne dass man einen Glaubenssatz herausschälen muss, sondern in der Arbeit mit Bildern entdeckt man diese Tiefe in sich eher.

Und das macht diese Tür für mich dann eben auch aus, dass man in einen nächsten Raum geht, geleitet wird, quasi rausgezogen oder reingezogen wird in den nächsten Raum, und man muss gar nichts machen. Das ist sehr natürlich.

Tobi

Spannend. Also das habe ich auf jeden Fall, und vielleicht auch viele Zuhörerinnen und Zuhörer, schon selbst erlebt, sowohl in der Klientenrolle als auch als Coach. Und ich glaube, die meisten von uns nehmen dann für sich mit: okay, mächtiges Tool, kann ich sehr, sehr vielseitig einsetzen, mache ich jetzt von nun an.

Aber du hast nicht nur gesagt, okay, mächtiges Tool, setze ich jetzt dann und wann ein, sondern du hast sogar deine Doktorarbeit zum Thema Bilder im Coaching geschrieben. Ich lese mal kurz den Titel vor, den ich mir hier notiert habe. Deine Doktorarbeit ist: Das Selbst im Bild. Eine empirische Studie zum Einsatz von Bildmaterialien zur Förderung von Selbstreflexions- und Selbstveränderungsprozessen im Einzelcoaching. Wie kam es dazu, dass du dich hier noch so tief reingefuchst hast in das Thema?

Jasmin Messerschmidt

Also, es war tatsächlich das, was ich eben erzählt habe. Es war ein Mensch, der ins Coaching geschickt wurde. Ihm fehlte Impulskontrolle, und er hat seine Mitarbeiter regelmäßig in den Senkel gestellt, er hat sie wirklich fertiggemacht, wenn sie die Ziele nicht erreicht oder seine Erwartungen nicht erfüllt haben. Dementsprechend hoch war die Fluktuation. Und mit ihm habe ich gearbeitet über Reflexionsfragen, über: Woher kommt das, und dies und das, und wie kann es anders werden, und ressourcenorientiert: Wann war es schon mal anders?

Aber diese ganzen Fragen bewegten sich auf der Oberfläche. Er hat nicht so gern, sagen wir es so salopp, über sich selbst nachgedacht. Und dann habe ich mit Bildern mit ihm gearbeitet, und er hatte sich dann einen Bären, glaube ich, rausgesucht. Und dieses Bild hat ihm dann ermöglicht, in Gesprächen mit seinen Mitarbeitern oder in Krisensituationen ruhig zu bleiben.

Er hat dann in Gesprächen zum Beispiel dieses Bild neben sich gelegt. Und immer wenn er drauf geguckt hat, hat ihn das zutiefst beruhigt. Und mich hat das wirklich beschäftigt. Ich bin eher so ein Forscher, also wenn mich was interessiert, dann gehe ich dem gerne nach. Und ich habe auch eine Professorin gefunden, Frau Prof.

Dr. Korte von der TU Braunschweig, die mich dabei unterstützt hat, dieses Thema in qualitativer Form bearbeiten zu dürfen. Und ich habe dann Einzelinterviews gemacht. Ich bin dem Thema nachgegangen: Was passiert denn da, wenn man einem Menschen ein Bild vorlegt, und was führt denn dazu, dass er tatsächlich sein Verhalten verändert?

Das geht ja wirklich sehr tief. Impulskontrolle geht sehr tief. Ich kann mir zehnmal vornehmen, ich raste jetzt nicht aus, oder ich bleibe freundlich, und wir wissen alle, das funktioniert nicht. Je mehr man sich zusammenreißt, umso eher bricht das wieder raus. Und über die Bilder habe ich erlebt, wie diese Wirkung zustande kommt, auf der unbewussten Ebene. Und dieses Warum, und was die Bedingungsfaktoren sind, und ob das wirksam und messbar ist, das habe ich empirisch erforscht. Ich habe geguckt, wie Bildmaterialien diese Selbstreflexion, bei der man ja das Wissen über sich selbst im Coaching vermehrt, und auch stimmige Veränderungsprozesse fördern können.

Und ja, ich war dann sehr, sehr angetan und begeistert, die ersten zwei Jahre, und habe die Arbeit dann auch fertiggestellt. Aber es war wirklich so, dass diese Interviews mit Coaches, die ich geführt habe, und auch die Interviews mit den Klienten sehr gehaltvoll waren und sehr berührend, und dass dafür Indizien und Belege gefunden wurden, dass Bilder sehr stark wirksam sind und eine eigene Resonanz erzeugen, die mit den tieferen Persönlichkeitsanteilen zusammenhängt und die an die Oberfläche spülen kann. In dem Moment, wo ich über ein Bild über mich nachdenke, fällt mir mehr ein.

Bin ich lockerer, bin ich breiter aufgestellt und komme auch dadurch tiefer, weil eben diese Kognition nicht immer dazwischenfunkt.

Tobi

Also dieses Tieferkommen, das Zutagefördern von Persönlichkeitsanteilen. Würdest du sagen, auf Basis deiner Findings in der Doktorarbeit und jetzt auch aus deiner heutigen Praxis heraus: Bei welcher Art von Anliegen macht es am meisten Sinn, mit Bildern zu arbeiten?

Jasmin Messerschmidt

Also eigentlich immer, wenn jemand mit diffusen Gefühlen kommt, wie zum Beispiel Demotivation, Unzufriedenheit, so latente Dinge, wo man nicht genau weiß, was ist denn da. Also, irgendwas ist da, aber was genau? Dann macht das Sinn. Das sind ungefähr 20 Prozent, würde ich sagen, von meinen Bild-Coachings, und der weitaus größte Teil sind Selbstmanagement-Anliegen.

Also: Wie gelingt es mir, mich durchzusetzen? Wie gelingt es mir, mit einer guten Haltung durch diese nächste schwierige Zeit zu kommen? Wie gelingt es mir, einen Bewerbungsprozess gut zu durchleben? Wie gelingt es mir, mich abzugrenzen? Wie gelingt es mir, gesünder zu leben, mir weniger Stress zu machen?

Also dieses Thema Selbstführung, Selbstmanagement, das im Moment natürlich immer noch mehr an Wichtigkeit und Bedeutsamkeit gewinnt. In all diesen Prozessen, finde ich, ist diese Arbeit mit Bildmaterialien wirklich Gold wert, weil sie einfach dazu führt, dass man selbstkongruente, das heißt stimmige Entwicklungsziele entwickelt und identifiziert. Wo man dann eben sagt, nicht nur der Kopf, der Verstand sagt, das ist gut für dich, machen, sondern eben auch der Bauch oder die Emotion sagt, da gehen wir jetzt hin, das ist schön oder gut für uns.

Bilder sind wirklich Türöffner, wenn es darum geht, über Emotionen zu reden. Und für alle Menschen, die eine gewisse Scheu haben, über Emotionen zu reden, ich sage mal in Anführungszeichen wissenschaftliche Berufe, Forscher, Ingenieure, IT und solche Berufsgruppen, für die das fremd oder ungewohnt ist, für die ist es einfach, über ein Bild zu reden.

Also das macht auch nochmal 20, 30 Prozent aus, denke ich, von denen, wo man dann sagt, das ist ein Öffner, das macht Spaß, das ist schön, das fühlt sich leicht an. Und ich arbeite sehr ressourcenorientiert, stärkenorientiert, und Bilder lassen solche Ressourcen und Stärken sehr schnell entdecken.

Tobi

Und jetzt haben wir das ja vorhin schon mal in ganz leichter Form gemacht, wirklich auch als Icebreaker, als Warm-up-Übung. Ich habe dich gefragt: Okay, welches Bild steht für deine Erfahrung in der Arbeit mit Bildern? Wie nutzt du jetzt ein Bild, wenn du ein weitergehendes Coaching hast? Angenommen, ich wäre eine Fliege an der Wand, was würde ich so beobachten können?

Jasmin Messerschmidt

Also, du könntest beobachten, dass ich erstmal nicht mit Bildern arbeite, sondern die Ziele des Coachings herausarbeite, mit Skalierung gucke, wo jemand in Bezug auf seine Ziele steht, und was Indikatoren sind, an denen man diese Zielerreichung betrachtet. Und häufig dann, wenn ich merke, jemand möchte eigentlich, aber er schafft das nicht.

Also zum Beispiel, ich habe im Moment eine Frau im Coaching, die sich zeigen möchte, die ihre Stärken auch im Unternehmen sichtbar machen möchte. Sie würde gerne in die nächste Karrierestufe kommen und hat da einfach Schwierigkeiten, weil sie anderen gerne den Vortritt lässt, weil sie auch nicht scheinen kann, nicht leuchten will.

Ja, so ein häufiges Phänomen, gerade auch bei Frauen, die dann sagen, ich halte mich zurück, ich trete bescheiden auf und dränge mich nicht in den Vordergrund. Was natürlich dazu führt, dass man übersehen, übergangen wird und sich dann irgendwann auch mal ärgert und fragt: Ja, was kann ich denn jetzt tun? Und wenn wir dann verschiedene Möglichkeiten oder Situationen gefunden haben, wo das stattfindet, wo sie das Problem erlebt, und wann es auch schon mal anders ist, dann komme ich meinetwegen in der zweiten, dritten Stunde zu dem Thema, mit Bildern zu arbeiten.

Und dann verläuft das meistens so, ich arbeite nach dem Zürcher Ressourcen Modell, dass ich die Klientin bitte, ein Bild auszuwählen, das sie emotional, persönlich positiv anspricht, das sie lächeln lässt, das zu ihr will, im Sinne von: Das würde mich unterstützen, mich zu zeigen. Damit könnte ich mich präsentieren.

Also dass sie ein Bild findet, wo sie hin möchte, ein Zielbild. Und dazu präsentiere ich ihr dann unterschiedliche Bildmaterialien, darunter auch gerne die Bilder von metaFox, weil die wirklich auch sehr schön intensiv sind, aber auch die vom Zürcher Ressourcen Modell. Und dann wählt die Klientin ein, zwei, drei Bilder aus, und wir erarbeiten die Bedeutung dieses Bildes.

Und diese Auswahl des Bildes erfolgt mit positiven somatischen Markern. Das sind gespeicherte Körperempfindungen, die wir im Laufe unseres Lebens gespeichert haben, positiv und negativ, so ein emotionales Bewertungssystem, das sich evolutionär bei uns entwickelt hat. Diese somatischen Marker ermöglichen es, dass man mit der Gefühlsebene Kontakt aufnimmt. Und ich versuche die Klientin dahin zu bringen, dass sie das Bild oder die Bilder mit ihrem Gefühl auswählt und nicht mit dem Verstand. Und dann, im nächsten Schritt, wenn sie ihr Bild hat, dann erarbeiten wir die Bedeutung dieses Bildes für sie.

Was steckt an positiven Assoziationen drin? Da geht es darum, dass der Kopf versteht: Warum hat der Bauch dieses Bild ausgewählt? Was steckt da in dem Bild eigentlich für eine Botschaft? Was stecken da für Bedürfnisse, für Gefühle, für Wünsche, für Sehnsüchte drin? Und da geht es um diesen Transfer von Bild in Sprache, in positive Assoziationen, damit der Verstand versteht, was das Unbewusste oder die Intuition da ausgewählt hat.

Und aus diesem Material schälen wir dann Stück für Stück eine Art Mottoziel heraus, eine Art Leitsatz, der dieser Klientin dann ermöglicht, selbstbewusst nach vorne zu gehen und sich zu zeigen, und so eine Lust zu wecken, sich zu präsentieren, und zwar in einer Art und Weise, die zu ihr passt, die stimmig ist.

Und das, finde ich, ermöglichen Bilder. Bilder haben an sich keine Bedeutung, jedenfalls finde ich das im Coaching, sondern Bilder erzeugen eine Resonanz. Und über diese Resonanz kann ich mich ergründen und kann dann daraus entwickeln, was mir helfen kann, welche Haltung mir helfen kann, mich in meine gewünschte Richtung zu entwickeln.

Tobi

Was ich hier mitnehme, ist erstmal: Du arbeitest nicht in der allerersten Session unbedingt mit Bildern, sondern eher mehr so in der dritten, wenn das Anliegen und vielleicht auch ein Stück weit das Ziel klar sind.

Jasmin Messerschmidt

Beinahe.

Tobi

Dann sagtest du, du arbeitest vor allem oder ausschließlich mit positiv besetzten Bildern.

Jasmin Messerschmidt

Ja.

Tobi

Und ein Thema, das ich immer besonders spannend finde und wo ich gerne noch ein bisschen tiefer reingehen würde, ist die Frage: Wie stellst du sicher, dass der Bauch das Bild aussucht? Du hast gerade von somatischen Markern gesprochen. Was heißt das?

Jasmin Messerschmidt

Also, somatische Marker ist ein Begriff, den hat Antonio Damasio geprägt, der Hirnforscher. Und der drückt aus, dass alles, was wir in unserem Leben emotional erlebt haben, was mit Gefühlen verbunden war, als sogenannter emotionaler Erfahrungsschatz in unserem Körper gespeichert ist. Es ist so ein unbewusstes Bewertungssystem, das sich entwickelt hat, und wir spüren das als Spannung, wir spüren das als Kribbeln, als innere Ruhe. Also es kann etwas sein, was im Körper stattfindet, es kann aber auch etwas sein, was emotional stattfindet. Und dieses Bewertungssystem, das intuitiv ist, also das uns nicht bewusst ist, steuert unser Verhalten. Wir kommen in irgendeine Situation rein, die neu ist, und unser evolutionär gewachsenes

Bewertungssystem, unser emotionaler Erfahrungsschatz, scannt dann diese Situation gegen das, was wir bisher erlebt haben, und dann wird irgendein somatischer Marker positiv oder negativ angesprochen und meldet sich.

Und wenn wir darauf achten, können wir das auch sehr gut wahrnehmen. Dieses Bewertungssystem steuert unser Verhalten, bei negativen somatischen Markern in Form von: bloß weg hier, das war nichts. Zum Beispiel, wenn man an einen Zahnarzt denkt: Der Impuls, der dann entsteht, ist, bei mir jedenfalls, weg hier.

Wenn man dann irgendwo am Strand liegt oder abends mit Freunden einen schönen Abend hat, dann erlebt man positive somatische Marker. Oh ja, das will ich, das tut mir gut. Und das Gehirn versucht ja, so eine Homöostase herzustellen, dass wir uns wohlfühlen. Lustgefühl ist ja ein zentrales Bedürfnis von uns, und diese

somatischen Marker steuern uns so durch den Alltag, optimalerweise so, dass wir über die positiven somatischen Marker gesteuert werden können.

Wenn wir jetzt nicht zu sehr im Stress oder zu sehr absorbiert sind, dann funktioniert das ganz gut. Und im Coaching nutze ich diese somatischen Marker mit Bildern. Das mache ich so, dass ich dem Klienten zwei Bilder zeige oder zwei Begriffe nenne, zum Beispiel Stress. Dass ich sage: Wenn ich jetzt das Wort Stress erwähne, was passiert in Ihrem Körper, was spüren Sie? Und dann kommt meistens so etwas wie: ja, Stress.

Und dann sage ich: nicht ein gedachtes Gefühl, sondern ein gefühltes, ein Körpergefühl. Wo in Ihrem Körper spüren Sie das Wort Stress? Und viele sagen, da zieht sich irgendwas zusammen. Oder ich spüre das im Magen. Oder ich spüre das am Herzen. Oder mein Hals wird enger, oder so etwas. Und dann nenne ich einen positiven Begriff, zum Beispiel Urlaub oder Freizeit oder Entspannung, und dann beschreiben die Klienten ihr Gefühl bei Entspannung. Und dann weiß ich: Aha, sie haben Zugang zu ihren Emotionen, zu ihren somatischen Markern, und sind dann in der Lage, auf der Basis dieser Gefühlsebene das Bild auszuwählen.

Und anschließend mache ich noch eine kleine Entspannungsübung, entweder indem ich sage: Wobei entspannen Sie in Ihrem Alltag? Letzte Woche, als Sie im Wald waren, wenn der Klient sagt, im Wald spazieren gehen: Ja, erinnern Sie sich doch mal, was haben Sie da gesehen, was war zu hören? Also dass ich den Klienten ein bisschen tiefer in die Situation der Entspannung reinbringe, damit er Zugang zu seiner Gefühlsebene hat.

Und dann erläutere ich noch kurz bei der Bildwahl, dass es wichtig ist, dass man die Bilder nicht analysiert, sondern eher scannt, sie einfach nur anguckt und mit einem positiven Gefühl aussucht, das Ihnen hilft, Ihr Anliegen zu bearbeiten.

Tobi

Das ist super spannend. Du beantwortest gerade eigentlich auch die Frage, wie du einer Klientin hilfst, in ihren Körper zu kommen.

Bilder nutzt du vor allem dann gerne, wenn es Personen sind, die eher kognitiv stark sind, Menschen aus der Wissenschaft, Ingenieure. Das ist auch ein Thema, das mir traditionell sehr, sehr schwergefallen ist in meinen Coaching-Ausbildungen. Du bringst die zu ihrem Körper, indem du sie sozusagen promptest, würde ich jetzt hier mal auf Neudeutsch sagen. Das heißt also, du sagst Stress, wo spürst du das im Körper?

Und jetzt könnte ich sagen, das ist irgendwie eine Enge in der Brust. Und dann vergleichen wir das mit einem positiven Begriff. Das ist also eine Art Kalibrierungsübung, um mich zu meinem Körper zu bringen. Und dann lädst du sie ein, mit dem positiven Gefühl, das sie gerade erlebt haben, das Bild auszusuchen.

Jasmin Messerschmidt

Ja, wobei es wichtig ist, dass sie nicht mit der konkreten Situation da reingehen, weil sich dann die Situationen vermischen, sondern mit einem ähnlichen, mit einem positiven Gefühl. Manchmal mache ich deswegen auch einen Bodyscan, dass jemand in Kontakt mit sich geht. Das ist mir wichtig. Und nicht in Kontakt mit einer konkreten Situation, weil ich das auch schon erlebt habe, dass ich jemanden in eine Situation reingebeamt habe und er genau dieses Gefühl, das er beim Yoga hat, auch von dem Bild bekommen wollte.

Und dann ist das natürlich eher so ein Yoga-Bild, das hilft, Yoga zu machen, aber nicht unbedingt, das Problem zu lösen. Das heißt, ich versuche eine Entspannung zu machen, die aber nicht unbedingt mit einer konkreten anderen Situation verknüpft ist.

Tobi

Verstehe. Und das ist auch nochmal eine interessante Frage, dieser Zusammenhang zwischen somatischen Markern, und wenn ich das richtig verstehe, ist ein somatischer Marker einfach ein fancy Wort für Körpergefühl, und biografischen Erfahrungen.

Jasmin Messerschmidt

Ein Körpergefühl, genau. Also eigentlich müsste das somato-emotionaler Marker heißen, nach Damasio oder nach Maja Storch. Wie gesagt, weil es der Körper ist, aber auch Gefühl. Bei manchen kribbelt dann der linke Fußzeh, bei anderen zieht sich irgendwas zusammen. Wenn ich diese Weiterbildung mit dem ZRM für Coaches mache, dann male ich so eine Figur auf, so eine Strichfigur, und dann sollen die Leute ihre Emotionen einzeichnen.

Und die einen merken das eher am Kopf, in der Stirn, bei anderen ist es eher hier. Also jeder hat da seine eigenen somatischen Marker, die anspringen. Und du hast recht, es ist ein Körpergefühl. Es ist Körper und Gefühl.

Tobi

Okay. Und Klassiker wären, wie du sagst, im Kopf oder im Nacken, der sich verspannt. Oder vielleicht auch, ich könnte mir vorstellen, der Kiefer.

Jasmin Messerschmidt

Oder der Magen, der Bauch, die Atmung. Also es ist wirklich so, dieses Bild von diesem Männchen ist dann hinterher ganz bunt, weil alle das woanders spüren.

Tobi

Und wie ist der Zusammenhang zu meiner biografischen Erfahrung? Vorhin, als du erzählt hast, klang es für mich so, als würdest du den Körper hier als Speicher sehen, der diese somatischen Marker abspeichert aufgrund einer besonders emotional positiven oder negativen Erfahrung, die ich in der Vergangenheit hatte.

Welche Rolle spielt das jetzt in der Coaching-Situation und in der Bilderauswahl?

Jasmin Messerschmidt

Also, Bilder sprechen biografische Ereignisse an, unbewusst. Und es gibt ja nicht nur das ZRM, es gibt ja auch andere Theorien dazu, wie Bilder wirken. Man könnte zum Beispiel C. G. Jung anführen, der sagt, Bilder sind eine Resonanz auf etwas.

Also die emotionale Reaktion auf Bilder ist eine Resonanz, die bei mir entsteht. Und Verena Kast, glaube ich, sagt: Was uns berührt, geht uns auch an. Also das, was mich in einem Bild berührt, zum Beispiel jetzt dieses Bild, dieses icebreaker.online, diese orientalische Bildgeschichte, wo ich dann sage, ja, vielleicht hat das auch was mit meiner Herkunft zu tun.

Das hätte ich jetzt sonst nicht hier reingebracht. Über das Bild bringe ich das hier rein. Also, Bilder ermöglichen Zugänge zu sich selber. Nicht das Bild hat die Bedeutung, sondern die Resonanz, die ein Bild erzeugt. Und ob das jetzt somatische Marker sind oder ob das über eine Theorie von Bucci oder von C. G. Jung erklärt wird, das finde ich gar nicht so wichtig, sondern es ist halt immer eine Erklärung für eine Wirkung. Bilder haben Wirkung, erzeugen Wirkung, die mit dem, was mit den Menschen passiert, zu tun hat. Und es geht darum: Was genau an diesem Bild spricht mich an? Was sagt mir das über mich, über meine inneren Bedürfnisse, über Werte oder Sehnsüchte?

Ich gehe ja nicht darauf ein, was der somatische Marker sagt, sondern: Was hat das mit mir zu tun? Und das Ziel ist jetzt nicht, wie beim Rorschach früher, die Reaktion zu deuten, sondern dass der Klient oder die Klientin von sich aus dem Ganzen seine oder ihre eigene Bedeutung gibt. Das ist das Wesentliche im Coaching.

Dieser Aha-Moment, wenn man denkt: Genau, und das brauche ich jetzt, damit ich mich durchsetzen kann. Ich brauche das Gefühl von, ich darf auch mal freundlich sein. Ich muss nicht immer hart sein als Führungskraft, sondern ich kann auch weich sein, ich kann auch freundlich sein.

So etwas zum Beispiel. Diese inneren Beschränkungen, Glaubenssätze, die jeder von uns hat, die werden durch Bilder aufgedeckt, wenn man sich dem neugierig und offen nähert.

Tobi

Ja, und ich versuche nochmal, mit meinem prozessgetriebenen Gehirn und meiner Sichtweise, das zu paraphrasieren. Denn was ich höre, ist: Meine Biografie, mein Leben prägt mich, und das ist in meinem Körper gespeichert, ohne dass es in meinem bewussten Denken präsent ist. Das heißt, ich habe körperlich sozusagen meine Erlebnisse und dann auch meine prägenden Glaubenssätze abgespeichert. Und Bilder, vielleicht auch in Verbindung mit dieser körperlichen Kalibrierungsübung, die du vorhin beschrieben hast: Kann ich damit sozusagen etwas an die Oberfläche holen, wozu ich kognitiv keinen Zugang habe?

Jasmin Messerschmidt

Genau, also reden reicht nicht. Es gibt ja mittlerweile diese Kongresse und so. Wenn man früher immer nur hier im Kopf gedacht hat, da ist keine Veränderung möglich. Ich finde das großartig, wie du es zusammengefasst hast: ein individueller Übersetzungsprozess, dass man vom Bild über eine Empfindung zur Assoziation und weiter zur bewussten Bedeutung kommt, dass man das eben rausholt und sagt, was hat denn das Bild mit mir zu tun?

Diese Resonanz der Klientin auf ein Bild, das ist das, dem wir nachgehen. Und was könnte das denn heißen? Oder was berührt sie an diesem Bild? Oder welche Haltung, welche Kraft steckt da drin? Welche Sehnsucht steckt da vielleicht drin? Dass man sich dem Stück für Stück über eine Reflexion nähert, was das Unbewusste oder das emotionale Erfahrungsgedächtnis, das ist das gleiche Wort für Intuition, Bauchgefühl, dass das emotionale Erfahrungsgedächtnis eben beinhaltet.

Also es ist so ein individueller Übersetzungsprozess, der stattfindet, wenn man sich darauf einlässt. Und das ist egal, ob es ein digitales Bild ist, es ist egal, ob es ein inneres Bild ist, es ist egal, ob ich ins Museum gehe. Die Frage ist immer: Was passiert? Wo entsteht Resonanz, und was hat diese Resonanz mit mir und meiner Biografie zu tun?

Oder mit mir als Mensch?

Tobi

Das heißt, ich muss nicht unbedingt Bildkarten von metaFox einsetzen, so schön sie auch sind, sondern, und das hattest du auch erwähnt, du bist mit einer Klientin auch mal ins Museum gegangen. Kannst du uns da vielleicht mal mit reinnehmen? Wie kam es dazu?

Jasmin Messerschmidt

Ja, sie war auch in einem Unternehmen, Bereichsleiterin, wollte eine neue Strategie entwickeln oder sich nochmal neu erfinden als Führungskraft. Also es sollte was passieren.

Und sie hat gesagt, sie bräuchte was ganz Großes, so ungefähr war das. Und dann habe ich überlegt, und dann bin ich mit ihr ins Museum gegangen. Ich bin vorher ins Museum gegangen, habe Bilder ausgewählt, und da habe ich tatsächlich nicht nur positiv gearbeitet, sondern: Was hält sie davon ab, oder welches Bild gefällt Ihnen gar nicht, oder so. Ich habe da drei Bilder ausgesucht, und wir sind in die Reflexion gegangen. Und das war wirklich auch, so ein großes Bild hat nochmal eine ganz andere emotionale Wirkung.

Das ist so eine wirkliche Projektionsfläche für ganz neue Impulse, mit Spüren und Staunen. Und dann ist es so spannend zu sehen, wie die Klientin in diese Kommunikation mit dem Bild gegangen ist. Da war ich eigentlich außen vor als Coach, sondern sie war dann so drin in dem einen Bild vor allem, dass sie das für sich entdeckt hat.

Und sie hat ihre Vision gehabt, die größer war als bisher. Das war das, was sie wollte. Und es kam dann raus, dass sie, wenn sie sich auf das Unbekannte einlässt, in der Bewegung Klarheit und einen sicheren Raum findet.

Tobi

Ja, sehr cool. Ist natürlich nochmal eine ganze Stufe aufwendiger, wenn du und auch sie ins Museum reisen. Aber ich kann mir vorstellen, dass dieser Wechsel des Settings, dieser Wechsel des Kontexts, auch im Coaching-Setting etwas stiftet.

Jasmin Messerschmidt

Ja, vor allem durch diese Größe. Das ist ja ein Meisterwerk, da ist ja ein Werk, da kommt man sich häufig ein bisschen kleiner vor, und diese Lebensthemen sind dann, glaube ich, im Museum teilweise präsenter, also leichter oder deutlicher spürbar. Und genau, man geht dann nur einmal ins Museum und nicht jedes Mal, sondern der Rest findet dann wieder in meiner Coaching-Praxis statt.

Tobi

Super. Du hast jetzt einige Male das Zürcher Ressourcen Modell von Dr. Maja Storch erwähnt. Da schauen wir sicherlich gleich auch nochmal drauf in unserem Demo-Coaching. Gerade bei deinem Museumsbeispiel hast du allerdings auch noch erwähnt, dass du in dem Beispiel nicht nur mit positiv besetzten Bildern gearbeitet hast. Und ich stelle diese Frage nochmal aus meiner metaFox-Brille: Unser Bestseller-Kartenset, wir haben ja über 20 Varianten, über 20 verschiedene Kurationen von verschiedenen Bildern, ist das Gefühlswelten-Set, World of Emotions, das ganz bewusst die ganze Spannbreite von Emotionen abbildet und eben auch negativ besetzte Bilder hat.

Jasmin Messerschmidt

Ja, also es kann zum Beispiel sein, dass man dann sagt: Wo will ich hin, und was hält mich zurück, welches Gefühl steht mir im Moment im Weg? Oder wenn ich mich zum Beispiel abgrenzen möchte, Nein sagen möchte, und dann gucke: Wovon will ich denn weg? Was will ich denn vermeiden? Welche Angst steckt denn dahinter, dass ich

mich nicht in der Präsentation zeigen kann? Oder welche Angst, welcher Glaubenssatz steckt dahinter? Ich denke, ich muss perfekt sein. Wie fühlt sich das denn an, perfekt zu sein? Also da kann ich genauso gut tiefer gehen und in die Emotionen reingehen. Aber wie gesagt, da kommt es auf den Ansatz an.

Manche sagen, Coaching muss wehtun. Bin da völlig fein mit. Und andere sagen, Coaching sollte stärken. Und ich gehe als Coach eher in die stärkende Richtung. Kenne das aber auch gerade von hohen Führungskräften, die sagen, nee, Coaching, ich will auch gefordert werden. Und da muss man einfach in die negativen Emotionen reingehen, sonst haben die das Gefühl, sie werden in Watte gepackt.

Ich denke, das ist abhängig vom Typ. Ich bin ja nicht dazu da, dass ich meinen Coaching-Ansatz jetzt dem Klienten überstülpe, sondern es geht ja immer darum, was genau dieser Klient, dieses Universum Klient, braucht, damit er oder sie sich weiterentwickelt. Und wenn es dann negative Gefühle sind, dann sind es negative Gefühle.

Es ist einfach so, dass die Hälfte von uns so funktioniert, dass sie zum Zahnarzt geht, um schöne weiße Zähne im Alter zu haben, und die andere Hälfte geht dahin, um eben das Gebiss zu vermeiden. Also die einen werden über positive und die anderen über negative Gefühle gesteuert, und ich meine, es wäre ungefähr halbe halbe.

Es geht ja nicht darum, wann ich mehr von dem negativen Gefühl bekomme, sondern wie ich jetzt mit diesem negativen Gefühl umgehen kann.

Und das kann man dann wieder wunderbar verbinden, meinetwegen mit der PEP-Methode, dass man dann klopft und Stress dadurch reduziert. Und dazu ist es wichtig, dass ich Emotionen auch negativer Art an die Oberfläche bringe.

Tobi

Also das heißt, wenn du das Gefühl hast, dass im Universum Klient eine Herausforderung, vielleicht auch eine Blockade da ist, die negativ besetzt ist, und du möchtest diese ansprechen, dann kannst du das mit negativ besetzten, düsteren Bildern machen.

Jasmin Messerschmidt

Ganz genau. So zum Beispiel das Thema Stress, das ja im Moment überall ist, bis hin zu Panikattacken, oder dieser Druck, das Gefühl, man ist dem nicht mehr gewachsen, was da draußen passiert. Ich hatte neulich eine Führungskraft, die gesagt hat: Wie soll ich denn vor meine Mitarbeiter treten, wenn mir eigentlich selber zum Heulen ist?

Und dann ist es natürlich fatal, wenn ich da nur ins Positive reingehe. Da hätte ich überhaupt keine Verbindung zu dieser Person. So, jetzt denken Sie mal an etwas Schönes, drei Wünsche einer Fee, oder die Wunderfrage, kann man machen. Dockt aber nicht an. Und ich finde dieses Pacing beim Klienten wichtig, also den Kontakt herzustellen. Und wenn jemand im Moment auf die negative Art und Weise da ist, viele negative Emotionen hat, und die wenigsten kommen mit positiven Gefühlen in ein Coaching, sondern weil die Pain Points einfach so stark sind, dann macht es natürlich Sinn, anzuerkennen, dass es Pain Points gibt, und nicht darüber wegzuwischen. Und ich denke, das ist auch der Grund, warum ich das mit dem positiven Zielbild auch erst in der zweiten oder dritten Stunde mache, weil du am Anfang natürlich noch diese negativen Gefühle und Eindrücke hast, und da ist es auch wichtig, darauf einzugehen.

Tobi

Ja, das wäre spannend. Genau, da hatte ich zuletzt auch einige Gäste, Kirsten Dierolf und Roel Schaart, die sehr stark lösungsfokussiert daherkommen und dort natürlich immer schnell auf das schauen, was eigentlich funktioniert. Okay, es gibt ein Problem, aber wann ist das Problem nicht da? Was funktioniert, und woran kannst du das erkennen?

Jasmin Messerschmidt

Das kann man auch machen, aber manchmal funktioniert das eben nicht. Und wenn man dann weiter nur diesen lösungsorientierten Baukasten hat, dann wird man dem Klienten, finde ich, nicht gerecht. Ich habe sehr viel Ausbildung bei Gunther Schmidt gemacht, und der sagt auch, die Wunderfrage für einen Menschen, der gerade nicht daraus kommt, ist wie eine Ohrfeige.

Weil sie nämlich suggeriert, man muss das. Und wenn jemand gerade keine Kraft hat, dann kann er oder sie nicht. Und dann ist es wichtig: Was braucht dieser Mensch am ehesten? Er braucht Kontakt, er braucht Verbindung. Und den schaffe ich dann eben auf dieser Ebene über Bilder, aber dann eben auch über negative Bilder.

Tobi

Ja, also das heißt, dann ist das Ziel erstmal die Anerkennung dessen, was ist, und auch die Akzeptanz dessen, was ist. Und daraus entsteht dann ein Frieden, mit dem ich dann wieder in die Lösungsorientierung kommen kann.

Jasmin Messerschmidt

Ganz genau. Also ich brauche das Gefühl, dass ich beim Coach sein kann, wer ich bin. Und dazu gehört, finde ich, dass ich am Klientensystem emotional andocke. Und auch das gelingt über Bilder erstaunlich gut, dass man nämlich so eine gemeinsame emotionale Ebene findet, auch über die Arbeit mit Bildern.

Tobi

Und wie bringst du die Klientin dann, nachdem dieser Prozess der Anerkennung und Akzeptanz vollzogen ist, wieder zur Lösungsorientierung, zum Zielbild, zur Vision? Ist das dann wieder mit Bildern, oder wie könnte das aussehen?

Jasmin Messerschmidt

Das ist sehr individuell unterschiedlich. Also ich arbeite fast immer nur einmal mit Bildern im Coaching, mit inneren Bildern, mit äußeren Bildern ein- bis zweimal in einem Coaching-Prozess. Und dieses Bild kommt durchaus immer mal wieder. Wenn wir mit Bildern gearbeitet haben, begleitet das. Was würde jetzt dieses Bild sagen? Oder: Versetzen Sie sich nochmal in dieses Bild rein, mit den Emotionen. Was ist die Verbindung zu der jetzigen Situation?

Tobi

Das Bild taucht also auch immer wieder auf.

Jasmin Messerschmidt

Ja, genau.

Tobi

Nutzt du solche Metaphern auch?

Jasmin Messerschmidt

Ja, man kann dieses Bild verbrennen, man kann ein Ritual daraus machen, man kann vor allem in der Evaluation des Coaching-Prozesses sagen: Da sind wir gestartet, wo sind wir jetzt? In dem Übergang geht es darum: Was denn stattdessen? Wenn nicht mehr das, wo soll es dann hingehen?

Und dass ich dann versuche, den Klienten zu ermutigen, ein inneres Zielbild zu entwickeln, so ein Video von dem: Wenn Sie jetzt ein Video von der gewünschten Zukunft drehen, wie würde dieses Video aussehen? Wie würden Sie sich verhalten? Wer wäre noch dabei? Wie würden Sie das erleben? Was wäre der größte Gewinn?

Also das sind dann schon Solution-Focus-Questions, die ich einsetze, um jemanden in sein positives Zielbild zu führen. Aber wenn das dann nicht geht, weil jemand so in seinem Stuck State ist, dann muss ich Schritt für Schritt gucken. Manchmal arbeite ich dann auch mit der Skalierungsmethode, oder: Was sind denn konkret die Situationen, welche Situationen könnten wir denn jetzt anders gestalten? Ich hatte mal einen Klienten, der wirklich depressiv war und Burnout hatte und nicht mehr konnte. Und normalerweise, ich bin zwar Psychologin und psychologische Heilpraktikerin, aber eben nicht ausgebildete Therapeutin.

Er hat aber keinen Arzt gefunden, keine Klinik gefunden und so weiter, und ich habe ihn so ein bisschen stabilisiert. Und da habe ich tatsächlich in der ersten Stunde mit ihm auch Bilder aussuchen lassen, und dann hat er sich einen Löwen ausgesucht.

Ich hätte alles getippt, nur keinen Löwen bei ihm. Und wir haben dann zwei, drei, vier Stunden gearbeitet, bis er bei einem Therapeuten war. Ein Jahr später rief er mich an und sagte: Frau Messerschmidt, erinnern Sie sich noch an mich? Ich bin der, der den Löwen als Bild hatte.

Und ihm ging es dann wieder besser. Manchmal wirkt so ein Bild einfach enorm stark, stärkend, selbst wenn man es als Coach nicht vermutet. Ich wäre da jetzt keine Wette eingegangen und hätte gesagt, da gibt es jetzt ein Bild und das stärkt den. Und das hatte dann aber so eine Kraft.

Tobi

Wow. Danke fürs Teilen. Ich glaube, das ist eine wunderbare Geschichte, um hier vielleicht eine kurze Pause zu machen. Und dann bin ich super neugierig, ganz konkret in die Praxis zu schauen.

Outro

Tobi

Das war Jasmins Geschichte zum Impact von Bildern, selbst im psychosozialen und Mental-Health-Bereich. Obwohl ich ja selbst schon seit vielen Jahren mit Bildern arbeite, habe ich nochmal richtig viel mitgenommen, insbesondere

zu der Frage, und das ist mir als Klient auch immer am schwersten gefallen bei der Arbeit mit Bildern: Wie kann ich in meinem eigenen Körper ankommen und spüren, wie sich Stress oder vielleicht auch Freiheit, was auch immer ich in einem Bild sehe, nun auch wirklich für mich anfühlt.

Die Kalibrierungsübung, die Jasmin hier nutzt, basiert auf dem Zürcher Ressourcen Modell, kurz ZRM, das wir euch natürlich auch in den Shownotes verlinken. Außerdem verlinken wir euch da die deep pictures Bildkartenreihe, und ganz konkret das Gefühlswelten-Set World of Emotions, über das wir heute auch gesprochen haben, sowie unser icebreaker.online Bildkartentool für die Online-Nutzung. Wie Jasmin nun ganz konkret vorgeht in ihrem Coaching mit Bildern, das könnt ihr, und auch wir alle gemeinsam, in der nächsten Folge erleben.

Denn da coacht mich Jasmin ganz authentisch zu meiner Herausforderung, Überforderung und Haltung als Unternehmer mit vielen Projekten. Das gibt es hier in zwei Wochen. Wenn es euch heute gefallen hat, lasst gerne Bewertungen da, auf der Podcast-Plattform eures Vertrauens, und oder schickt die Folge einer Freundin oder einem Kollegen.

Vielen Dank, das war es für heute. Ich bin Tobi von metaFox. Alles Gute und bis zum nächsten Mal.