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Impactful Coach
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Episode 31Becoming a coachDeutsch48 min

Unternehmertum in der Coaching-Branche: Das "Making of" des LINC Personality Profilers mit Dr. Ronald Franke

with Ronald Franke, Geschäftsführer (Managing Director), LINQ GmbH

Also available in English: Entrepreneurship in the coaching industry: Making of the LINC Personality Profiler with Dr. Ronald Franke

Transcript

Edited for readability: filler words removed, names checked. It may still contain errors. The audio is the source of truth.

Tobi

Willkommen beim Making of a Coach Podcast. Wenn du Deutsch sprichst, dann bist du hier genau richtig. Und wenn es darum geht, Klienten zu helfen zu reflektieren, in der Beschreibung von Präferenzen, von Verhalten oder von Stärken eine gemeinsame Sprache zu sprechen, dann nutzen ganz viele von euch ja Persönlichkeitsanalysen und Assessments. Das Interesse ist riesig. Eine unserer meistgehörten Making of a Coach Folgen ist die zu DISC. Mehrere meiner Gäste arbeiten mit dem

MBTI-Persönlichkeitstest, und auch bei metaFox arbeiten wir aktuell ja am Stärken-Discovery-Assessment. In Deutschland ist eines der meistgenutzten Assessment-Tools der LINC Personality Profiler. Allein im letzten Jahr wurden damit circa 40.000 Assessments gemacht, und beim Unternehmen hinter dem Profiler arbeiten roundabout 40 Personen. Aus all diesen Gründen war ich natürlich neugierig, mit einem der beiden Gründer von LINC, Dr. Ronald Franke, zu sprechen. Wir sind tief eingestiegen in die Geschichte vom Doktoranden an der Uni, der nebenher privat eine Coaching-Ausbildung machte und Bock auf Selbstständigkeit hatte. Wie es dazu kam, dass ihr erstes Angebot erstmal nicht so gezündet hat, und was sie daraus gelernt haben. In all diese unternehmerischen Themen steigen wir heute mit Ronald ein. Zum LINC Profiler als Coaching-Tool selbst machen wir dann nochmal eine separate Folge, sodass Ronald ihn heute eher für den Kontext beschreibt. Aber hört selbst, let's go!

Ronald Franke

Also, der LINC Personality Profiler ist eine digitale Persönlichkeitsanalyse. Das heißt, im Prinzip besteht er aus einem Fragebogen, den man digital ausfüllt, und einem Report, der dann erstellt wird und der es mir ermöglicht, mich, meine Persönlichkeit, mein Potenzial besser kennenzulernen. Und das Ganze fußt eben auf einem wissenschaftlich validen Modell, sodass ich dann auch wirklich ein realistisches Bild bekomme.

Tobi

Ja, danke für den kurzen Überblick. Wir werden auch auf der nächsten Folge ja super detailliert einsteigen und uns mein LINC-Profil anschauen. Daher, bevor wir jetzt hier tiefer reingehen, würde mich interessieren: Wie hat deine Geschichte in diesem Bereich angefangen?

Ronald Franke

Also, ganz angefangen, wenn wir ganz an den Anfang gehen, hatte ich natürlich ein gewisses Interesse an Psychologie, das ich schon in der Schulzeit entwickelt habe. Und habe dann eben angefangen, Psychologie zu studieren. Und das hat mich weiterhin auch fasziniert. Es wurde dann irgendwann klar, dass ich eigentlich kein Therapeut werden möchte. Ich glaube, die meisten, die anfangen Psychologie zu studieren, fangen an mit dem Wunsch, Psychotherapeut zu werden. Und manche kommen dann irgendwann vom Weg ab. Ich war so jemand und habe dann irgendwann gemerkt, okay, ich möchte gerne ein bisschen was anderes machen. Ich wollte immer verstehen, wie eigentlich Persönlichkeit funktioniert, also mehr dieser analytische Gedanke dabei. Und ich habe dann nach der Uni, also nach dem Psychologiestudium, weiterhin an der Uni gearbeitet und geforscht, im Bereich Kultur und Persönlichkeit, und viele Daten gesammelt, ein Forschungsprojekt auch geleitet. Und

dann kam es dazu, dass ich gemeinsam mit einem Freund die Möglichkeit hatte, einen Antrag zu schreiben für eine Ausgründung aus der Universität. Das heißt, es gab da so ein Programm, und das war explizit darauf ausgerichtet, dass man die Möglichkeit hatte, unterstützt zu werden dabei, dass man etwas gründet aus der Uni heraus, also so ein Spin-off nennt sich das. Dieses Programm hieß damals EXIST, und das haben wir beantragt. Und dann haben wir uns überlegt, okay, was kann man machen? Und wir hatten sehr, sehr viele Forschungsdaten, und die haben wir dann umgewandelt in eine Persönlichkeitsanalyse. Und das ist der LINC Personality Profiler geworden, und daraus ist dann auch diese Gründung entstanden.

Tobi

Und ist heute auch ein respektables Unternehmen, ich glaube, ihr habt 40 Mitarbeitende heute. Woran habt ihr damals geforscht? War das schon das Big Five Modell, oder wie weit war das weg vom heutigen LINC Profiler?

Ronald Franke

Ziemlich weit weg, wenn man ehrlich ist. Das ist so wie bei den meisten Gründungen und Unternehmensgeschichten, dass es nie so kommt, wie man ganz am Anfang denkt. Also das ist, glaube ich, eher der Normalfall. Ich habe als Coach gearbeitet, ich habe eine Coaching-Ausbildung angeboten zu der Zeit, aber was ich an der Uni gemacht habe, hatte eigentlich eher mit Kultur zu tun. Also interkulturelle Kommunikation. Ich war sehr lange in Indien, habe dort geforscht zu interkulturellen Unterschieden im Business, im Geschäft, und wie man als Deutscher in Indien irgendwie klarkommen kann und mit indischen Kooperationspartnern Geschäftsbereiche zusammen aufbauen kann, und wie die Kulturen gut zusammenpassen können dabei. Das haben wir dann irgendwie auf die ganze Welt übertragen und ein Forschungsprojekt gemacht, diesen

Forschungsansatz dann in verschiedenen Ländern eben auch nochmal umgesetzt, und hatten dann irgendwann so unglaublich viele Daten zu Kulturen auf der ganzen Welt und wie man gut mit denen zusammenarbeiten kann. Daraus ist dann der erste Persönlichkeitstest entstanden, der hieß noch Culture ID, also meine Culture-Identität. Und der war nicht so erfolgreich, wie wir uns das vorgestellt haben, weil sich gezeigt hat, dass interkulturelle Persönlichkeitsanalysen doch wirklich eine sehr enge Nische sind. Und daraus wiederum, weil wir dann aber wussten, wie man digitale Persönlichkeitsanalysen gut erstellen kann, schön visualisieren kann und das Ganze auch gut umsetzen kann, ist dann die Idee entstanden: Warum machen wir nicht eine Persönlichkeitsanalyse für einen größeren Bereich? Und da wiederum brauchte man dann natürlich so ein bisschen, weil es gab schon einige, da muss man so ein bisschen gucken, okay,

welches Feld wollen wir besetzen? Welche Nische, welche Gruppe wollen wir ansprechen? Und aufgrund meiner Erfahrung mit Coaches und im Coaching war es dann naheliegend zu sagen, hey, lass uns doch diese Zielgruppe ein bisschen mehr in den Fokus nehmen. Weil vorhandene Persönlichkeitsanalysen haben sich eigentlich eher an Human Resources gewandt und gar nicht so sehr an die Menschen, die das Ganze ausfüllen, also den Endverbraucher sozusagen, und auch gar nicht an Coaches, die solche Instrumente aber super nutzen können, um sie auch in Coachings einzusetzen. Das war dann so ein bisschen unser Twist bei dem Thema, und das hat super funktioniert, muss man sagen, weil sich gezeigt hat, dass sowohl Coaches als auch Endverbraucher das schön finden, wenn die Ergebnisse eben entsprechend aufbereitet sind.

Tobi

Das ist super spannend. Das heißt, ihr habt eigentlich erst mal im Bereich Kultur geforscht, und wie beeinflusst mich das. Dann warst du auch im Zuge deiner Forschungstätigkeit, also als PhD-Student, vermutlich dann in Indien. Und das Coaching-Thema, das kam so parallel, sozusagen nebenberuflich, hat jetzt erstmal mit deiner Forschungstätigkeit gar nicht unbedingt zu tun. Wie bist du da reingeraten? Wie war so dein Werdegang als Coach?

Ronald Franke

Also das ist naheliegend, wenn man Psychologie studiert. Und ich hatte das Glück, dass es in Lüneburg, wo ich studiert habe, durchaus auch anwendungsorientierte Seminare gab, was nicht selbstverständlich ist, muss man sagen. Ich kannte das auch anders. Und im Zuge des anwendungsorientierten Seminars zum Thema Coaching, das hieß, glaube ich, sogar wirklich so, habe ich das kennengelernt und fand es super spannend. Und das ging eigentlich allen so, die in diesem Seminar saßen.

Und haben dann nachher auch eine Coach-Ausbildung gemacht. Das ist also etwas, was sich so ein bisschen aus der Natur der Sache ergibt. Und in gewisser Weise ist es verrückt, dass nicht jeder Psychologiestudiengang so etwas direkt anbietet. Witzigerweise habe ich das Konzept dann übernommen: Als ich später Coaching-Ausbildungen auch angeboten habe, bin ich an eine Hochschule gegangen, an der ich vorher als Dozent auch nebenberuflich tätig war, und habe zu denen gesagt, hey, sag mal, wollen wir nicht Coaching anbieten als anwendungsorientiertes Fach? Dann haben die gesagt, okay. Und in diesem Kurs habe ich die dann so begeistert und konnte die dann alle als Teilnehmer für die Ausbildung auch gewinnen. Also das ist etwas, was einfach sehr nah beieinander liegt, das muss man sagen. Wenn man Psychologie studiert, dann wartet man eigentlich nur darauf, dass man endlich mal was auch praktisch machen kann, und nicht die ganze Zeit nur Statistik büffelt und quantitative Korrelationen und so etwas,

was halt total überrepräsentiert ist, aus meiner Sicht jetzt, im klassischen Psychologiestudium. Aber anderes Thema. Auf jeden Fall entsteht das dann sehr schnell, muss man sagen, wenn man im Studium damit konfrontiert wird. Ich habe dann so eine Ausbildung gemacht, witzigerweise auch bei jemandem, der das Gleiche studiert hat, auch in Lüneburg, und einfach ein paar Semester über mir war. Die haben das dann auch schon so gestartet.

Tobi

Spannend. Also wenn du sagst, im Seminar, dann meinst du ein Seminar an der Uni, wo du sozusagen erstmalig in Kontakt kamst, und dann letztendlich wahrscheinlich auch in einer Seminarreihe die Coaching-Ausbildung, die du dir dann gegönnt hast. Und so dein Weg dann zum Ausbilder-Dasein, also das Ausbilden von neuen Coaches, kam dann auch wiederum erstmal an der Uni, dass du dort als Dozent tätig warst und gesagt hast, hey Leute, wir müssen hier mehr Praxis reinbringen.

Ronald Franke

Ja, genau. Das war einfach so ein Weg, der sich automatisch ergeben hat, wie ich dir eben auch schon geschildert habe. Das Seminar an der Uni hat die Begeisterung geweckt. Die Ausbildung habe ich dann einfach privat gemacht, die gab es jetzt nicht an der Uni. Auch das gibt es mittlerweile an Unis, dann ist das halt sehr teuer, weil es sich eigentlich eher an Externe richtet. Und dann war ich ja Dozent, gerade auch für Psychologie. Das heißt, da war dann auch wieder eine Nähe da, wo man auch die Studierenden fragen konnte: Habt ihr Interesse an so etwas? Und weil das Interesse schon immer sehr groß war, habe ich diese Coaching-Ausbildung dann eben entsprechend an einer Hochschule und in Kooperation mit dieser Hochschule durchgeführt. Die Teilnehmenden akquirierten sich dann zu einem Großteil aus den Studierenden dieser Hochschule.

Tobi

Ja, super spannend. Wenn wir jetzt auf den Werdegang als selbstständiger Unternehmer schauen, das sehe ich ja oft, wenn ich Leute hier habe, die unternehmerisch auch sehr erfolgreich waren: Dann haben die immer irgendwelche Dinge aus ihrem Leben eigentlich zusammengeführt. Das heißt, ich war in meinem Angestelltenjob irgendwie Führungskraft hier und da, und dann aus diesem Netzwerk heraus habe ich dann mein Coaching-Business aufgebaut. Und was ich jetzt bei dir höre, ist, dass es eigentlich die Academia und die Industrie sind, die du dann zusammengeführt hast mit der unternehmerischen Coaching-Tätigkeit. Und um da vielleicht auch noch ein bisschen technisch zu werden und das herauszuarbeiten: Wie kann ich mir das vorstellen? Also du hast dann als Angestellter an der Uni doziert, und wann ist das dann übergegangen in ein, okay, jetzt machst du deine Coaching-Ausbildung nicht mehr an der Uni Lüneburg, sondern bei Ronald Franke Consulting? Oder wie war da die Trennlinie und auch die Synergie?

Ronald Franke

Ich war an der Uni, mit der ich das dann gemacht habe, nie angestellt. Ich war da immer als Dozent, und man ist als Dozent immer selbstständig, in der Regel zumindest, wenn du das an verschiedenen Hochschulen machst. Du kannst dich natürlich auch anstellen lassen, aber ich hatte eben bei verschiedenen Hochschulen immer mal wieder als freischaffender Dozent gearbeitet. Und bei dieser habe ich dann gesagt, wollt ihr eine Kooperation machen? Und dann war ich eigentlich die ganze Zeit selbstständig.

Tobi

So kam es dann auch, dass eigentlich der Anbieter von den Ausbildungen nach wie vor die Uni war, und du jetzt keine Brand, kein Unternehmen um dich als Coach-Trainer aufgebaut hast, sondern da eigentlich selbstständig an der Uni warst.

Ronald Franke

Ja, genau. Das hatte jetzt mit dem LINC Personality Profiler in dem Sinne nichts zu tun, wie du schon gesagt hast. Das war halt einfach eine andere Tätigkeit. Wenn du mich jetzt fragst, du hast hier ja viele Unternehmer in deinem Podcast: Das ist natürlich auch ein bisschen dem geschuldet, dass ich immer selbstständig arbeiten wollte. Das ist halt für mich ein Wert an sich. Das heißt, man guckt sich eigentlich immer um, wie kann ich das machen, wie kann ich das umsetzen, und sucht immer nach Möglichkeiten und Wegen, irgendwie diese Art der Arbeitsgestaltung leben zu können. Und da gab es dann eben verschiedene: einmal als Dozent an irgendwelchen Hochschulen, dann eben als Coach-Ausbilder, wieder in Kooperation mit der Hochschule, und dann eben mit dieser Ausgründung aus der Uni heraus.

Tobi

Ja, das heißt eigentlich, wenn man jetzt mal so draufschaut: Im Zuge deiner Tätigkeit als Coach und Coach-Ausbilder hast du eigentlich die Zielgruppe dann entdeckt für dein eigentliches Produkt, den LINC Personality Profiler.

Ronald Franke

Ja, das könnte man so sagen. Das ist auf jeden Fall eine entscheidende Zielgruppe. Vor allen Dingen war das auch die wichtige Zielgruppe zu Beginn des Unternehmens, weil Coaches aufgrund ihrer Orientierung zur Weiterbildung auch in dem Bereich eine Zielgruppe sind, die für unser Produkt recht gut und schnell zu begeistern war. Viel einfacher als HR-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter, die halt ständig belagert werden von Leuten, die irgendwelche tollen Tools anbieten. Und die Coaches sind da offener, oder zumindest war das vor acht Jahren so. Ich meine, jetzt werden die auch belagert, weil jeder eigentlich belagert wird. Aber damals haben wir eine Nische gefunden und das über Xing am Anfang gemacht und haben die angesprochen. Das kann man heute auch nicht mehr machen, da kriegt man ja so viele Nachrichten, das würde nicht mehr funktionieren, muss man sagen. Da müsste man sich irgendwas anderes ausdenken. Aber auf jeden Fall haben die Coaches recht schnell erkannt, dass das Produkt an sich qualitativ hochwertig ist, ihnen helfen kann, und gleichzeitig aber sehr fair ist von den Konditionen. Und die waren dann sehr schnell dabei und haben gesagt, okay, das probiere ich aus, ich will mich eh weiterbilden, ich habe eh das Gefühl, ich möchte jedes Jahr irgendwie was Neues lernen.

Tobi

Du sprichst es ja auch schon an: Eine Coaching-Ausbildung mache ich ja oft auch nicht nur, weil ich unbedingt praktizierender Coach sein will, sondern auch, weil ich mich selber weiterentwickeln möchte. Und das eine geht nicht ohne das andere, würde ich sagen. Und das ist natürlich dann auch ein Bedarf, den ihr da befriedigt. Wie kam es dann zu dem Produkt? Also wenn du sagst, ihr kamt eigentlich aus der Kulturforschung, und dann habt ihr gemerkt, okay, wir können Statistik, wir können Faktorenanalyse, was machen wir jetzt damit? Wie sah so diese Entstehungsgeschichte aus?

Ronald Franke

Also zunächst mal hatten wir ja eine Persönlichkeitsanalyse entwickelt, schon mal für das Thema Kultur. Da ging es dann eher darum: Passe ich mit meinem Verhalten, mit meiner Persönlichkeit zu einer bestimmten Kultur? Und wo sind da Abweichungen, mit denen ich umgehen muss, um nicht irgendwie in Konflikte zu geraten mit Menschen aus dieser Kultur? Das ist natürlich nicht so weit weg. Und dann haben wir den Vorteil gehabt, dass wir beide, also sowohl Martin als auch ich, schon recht intensiv Persönlichkeitspsychologie gelehrt haben. Also wir waren sehr nah am Thema Persönlichkeit, Big Five. Wir haben ein sehr gutes Verständnis davon, wie Persönlichkeit sich aufbaut, welche Bausteine es da gibt, und welche Modelle von Persönlichkeit man nutzen kann, wenn man Persönlichkeit messen möchte. Das heißt, die Idee war tatsächlich mehr so ein bisschen daraus geboren, dass wir verstanden haben, wie man so eine digitale Analyse baut und umsetzt, und worauf man achten muss dabei. Und dann war es naheliegend zu schauen, welche Themen es denn noch gibt, auf die man dieses Wissen anwenden kann. Und dann war natürlich Persönlichkeit naheliegend, vor allem, weil wir uns damit beide sehr, sehr gut auskennen. Martin hatte dann auch eine Professur für Psychologie. Das war dann einfach sowohl vom Scope her wesentlich spannender als dieses Nischenthema

Kultur, als auch näher an unserem Wissen.

Tobi

Das heißt, vorher im Bereich Kultur habt ihr wahrscheinlich so mit Hofstede und solchen Modellen gearbeitet. Und dann aber gemerkt, okay, das ist wissenschaftlich super spannend, finde ich persönlich auch einen super spannenden Bereich, meine Frau forscht da auch, aber es gibt wenig Markt dafür, weil das schon eher etwas ist, was gesellschaftlich, vielleicht volkswirtschaftlich Relevanz hat, aber kein konkretes Business-Problem löst. Oder wie war das? Es klang vorhin so, als hättet ihr das auch probiert.

Ronald Franke

Also grundsätzlich ist es natürlich so, dass Menschen, wenn sie mit Menschen aus anderen Kulturen zusammenarbeiten, darauf vorbereitet werden sollten. Das heißt, sowohl wenn ich ins Ausland gehe und in Kulturen unterwegs bin, die sehr anders sind als meine eigene, dann droht natürlich ein Kulturschock. Das heißt, gerade auch, wenn ich geschäftlich unterwegs bin und Ergebnisse erwartet werden und eine bestimmte Kommunikation, Führung vielleicht sogar auch. Das sind Themen, die sind alle schon im nationalen Kontext anspruchsvoll, und im internationalen Kontext für viele nicht leistbar, muss man sagen. Also an Führung scheitern im internationalen Kontext fast alle. Und andersrum ist es so, wenn ich auch selbst in meinem Land mit Menschen zusammenarbeite, die aus ganz anderen Kulturen kommen, ist auch das eine große Herausforderung. Und da ist es eigentlich naheliegend zu sagen, wir müssen Menschen da unterstützen, wir müssen die da fit machen. Und in gewisser Weise ist das halt ein Bereich: Grundsätzlich ist es so, dass HR im Unternehmen natürlich sowieso immer nicht das höchste Standing hat und insofern auch nicht so gut ausgestattet ist, häufig finanziell. Und dann gibt es in diesem Bereich natürlich auch nochmal Themen, die stärker in den Fokus

genommen werden und mehr Ressourcen bekommen, und andere, die weniger Ressourcen bekommen. Und dieses Thema interkulturelles Training, interkulturelles Coaching, interkulturelle Beratung, das ist so ein Mauerblümchen einfach. Wir hatten das ein bisschen anders eingeschätzt, weil der Zeitgeist natürlich so ein bisschen Globalisierung war, das war die große Zeit der Globalisierung. Und eigentlich ist es wirklich naheliegend zu sagen, okay, wir helfen den Menschen mal dabei. Das wird aber nicht gemacht, muss man sagen. Das ist alles in einem so kleinen Umfang von so wenigen Unternehmen, dass das nicht der Rede wert ist.

Tobi

Also man sollte meinen, dass für einen Siemens das ja eigentlich eine super Herausforderung mit ein bisschen Business Value ist, zu sagen, okay, ich schicke jetzt deutsche Führungskräfte nach Indien, beispielsweise in deinem Kontext, und dafür muss ich verstehen, wie die anders ticken.

Ronald Franke

Also die ganz großen Unternehmen machen das in der Regel, oder bieten das zumindest an. Wenn man von den ganz Großen weggeht, dann wird es schon sehr dünn, oft. Und man muss auch sagen, dass auch die Bereitschaft derjenigen, die geschickt werden, nicht so groß ist. Also selbst wenn die HR-Abteilung das anbietet, ist es oft so, dass die Managerinnen und Manager häufig sagen, brauche ich nicht. Die denken dann, da geht es irgendwie um kulturelle Stereotype oder so Do's and Don'ts, und haben natürlich das komplette Konzept von Kultur nicht verstanden, sondern gehen halt davon aus, so wie wir das hier machen, so ist das richtig, und das bringe ich den Leuten dann in Indien mal bei. Das wird nicht funktionieren, aber das merken die dann erst, wenn sie da sind. Ich habe viele Interviews geführt mit Menschen, die nach so einem Auslandseinsatz zurückkamen.

Tobi

Und jetzt nochmal zurück auf eure Sicht, euer Erleben im unternehmerischen Doing: Wann habt ihr gemerkt, okay, wir versuchen hier eigentlich ein totes Pferd zu reiten? Wann habt ihr dann gesagt, okay, lasst das mit der ganzen Kultur, wir gehen auf die Big Five?

Ronald Franke

Eigentlich war es so, wir haben dran geglaubt und haben dann nebenbei gesagt, ja, man könnte ja auch noch einen Test für Persönlichkeit machen. Und dann hat sich das so schnell entwickelt, dass dieses Thema einfach so viel besser funktioniert hat. Das hat das andere Thema einfach so an den Rand und an die Wand gedrückt, dass das nur noch so nebenbei gelaufen ist und irgendwann dann gar nicht mehr. Ich glaube, es ist oft so, dass es eher ein Prozess ist, eher ein Ausprobieren und ein Sich-Orientieren an dem, was eben einfach besser funktioniert, so ein bisschen Trial and Error, als dass man knallharte Business-Entscheidungen trifft und sagt, wir stoppen das und machen jetzt das.

Tobi

Die Realität ist eher grau und nicht so schwarz-weiß.

Ronald Franke

Ja, genau. Weil, das kann man vielleicht machen, wenn man mit fremdem Geld umgeht, habe ich immer das Gefühl, dass man einfach mal sagt, nö, das Projekt wird jetzt gestoppt. Aber wenn es dein eigenes Geld ist, dann denkst du dir schon auch, okay, wir gucken mal, wir lassen das andere aber erstmal nochmal so ein bisschen laufen, um auch wieder zurückswitchen zu können. Aber jeder ist da vielleicht auch anders, vielleicht ist es auch gar nicht so eine gute Strategie. Es kommt ja immer auf die Situation an. Natürlich gibt es Situationen, wo man auch mal sagen muss, okay, das Ding ist jetzt durch, das beenden wir und stecken dann null Komma null noch rein. An dem Punkt waren wir nicht.

Tobi

Macht Sinn. Und das spiegelt, glaube ich, auch die unternehmerische Realität von mir, von uns bei metaFox auf jeden Fall, aber ich glaube auch von vielen Zuhörerinnen und Zuhörern wieder, dahingehend, dass wir auch viele Interessen haben, Lust auf viele Projekte, und das immer dann parallel machen.

Ronald Franke

Ja.

Tobi

Wie siehst du das, was ist so deine Philosophie: Fokus versus Experimentieren?

Ronald Franke

Das ist schwierig. Ich sitze ja auch häufig zusammen mit meinem Geschäftsführungspartner Martin, und das ist ein schwieriges Thema. Also wir versuchen einfach eine Balance zu finden zwischen dem, wir müssen auch mal neue Dinge ausprobieren, wir müssen auch mal explorativ was antesten, mal gucken: Kommt da eine Resonanz? Kommt da Interesse? Wir hatten aber auch schon Produktentwicklungen bei uns, wo bei so einer ersten Umfrage alle gesagt haben, super spannend, das ist ein tolles Produkt, aber dann, als das Produkt fertig war und es wirklich darum ging, Geld auszugeben, lieber die kostenlose Variante genommen haben, die es auch im Netz gibt. Das ist sehr schwer vorherzusagen. Und ich bin von der Persönlichkeit her immer eher

jemand, der vieles ausprobiert und nicht so diese knallharten, durchgetakteten Entscheidungen trifft, wo man dann auch gleich einen Projektplan macht und das dann durchzieht. Wir haben aber auch schon gesagt, okay, wir können nicht zu viele Sachen anfangen, weil wir auch eine kleine Firma sind, und man dann manchmal irgendwelche hochtrabenden Ideen hat und sich irgendwann dann klarmacht, okay, das sind doch große Themen. Wenn du da ein vernünftiges Produkt auf den Markt bringen willst, dann müssten da so viele Ressourcen reinfließen. Ich glaube, das ist das Entscheidende, dass man schon Dinge antesten und ausprobieren kann. Aber man muss sich klar sein, dass man anfängt mit einem Minimum Viable Product sozusagen, und da nicht denkt, okay, wir probieren das mal aus, wir wollen das aber so machen wie die großen Konzerne. Das kann nicht funktionieren. Das ist zumindest unser Learning, dass man sagt, okay, wir können das mal probieren, aber dann versuchen wir es klein zu halten, von den

Ressourcen her.

Tobi

Ja, das resoniert sehr, was du sagst. Die Schwierigkeit, wie viel man wo investiert, und wie man auch misst, ob es sich lohnt, weiter zu investieren. Hast du da vielleicht ein Beispiel aus eurer Vergangenheit? Also beispielsweise vielleicht der LINC Profiler selbst? Es klang jetzt so, als wäre der einfach so erfolgreich gewesen, dass er dann auch immer mehr Ressourcen gezogen hat und sich dann sozusagen eine positive Story einfach ergeben hat.

Ronald Franke

Ja, genau. Also der LINC Personality Profiler ist auf jeden Fall eine Geschichte, wo das gar keine Frage war. Der hat sich mehr oder weniger selbstständig entwickelt, da musste man keine großen Entscheidungen treffen. Das war einfach vollkommen klar, das hat sich von alleine immer weiter entwickelt. Dann gab es andere Dinge bei uns im Unternehmen, die sich mehr oder weniger auch angeboten haben, ohne dass man da großartige visionäre Entscheidungen treffen musste. Also dann haben immer mehr Unternehmen auch gefragt, hey, ihr habt dieses Instrument, könnt ihr auch die Gespräche übernehmen? Also die Feedback-Gespräche, die Coachings damit, weil Unternehmen das häufig nicht intern machen wollen. Ist ja klar, dass man auch häufiger mal Externe haben möchte, wenn es um so sensible Themen geht. Da haben wir dann einen Bereich im Unternehmen aufgebaut, der solche Dienstleistungen rund um die Persönlichkeitsanalyse anbietet, HR Solutions heißt das bei uns. Und das war naheliegend, das ist etwas, wo man, wie gesagt, nicht sehr visionär sein muss. Und dann wollten wir natürlich aber auch Produkte auf den Markt bringen, die uns unglaublich sinnvoll erschienen. Und so etwas war unser Coaching Board, so haben wir das genannt. Das war auch in der Corona-Zeit, wo man dann sagt, okay, digitales Coaching, das ist eigentlich das Zukunftsthema, weil ja alles digital wird, und es gibt gar keine Plattform, über die man wirklich gut digital coachen kann, die darauf spezialisiert ist, mit einem Whiteboard und mit hinterlegten

Coaching-Methoden und mit allem, was Coaching irgendwie ausmacht. Und dann haben wir die Coaches gefragt, und die haben gesagt, super, müsst ihr unbedingt machen, auf jeden Fall. Dann haben wir das gemacht, und naja, dann war Corona vorbei, und jetzt stellt sich raus, dass eigentlich niemand Lust hat, digital zu coachen. Also jeder Coach versucht das zu vermeiden, wenn es irgendwie geht, und vor Ort zu coachen. Tja, so kommt das manchmal. Und wenn du nur ein paar solcher Sessions im Jahr machst, dann nimmst du dir halt Miro und machst das über Zoom, das kann ich auch verstehen. Und dann fragt man sich, okay, hätten wir mehr Marktforschung machen können, müssen, sollen? Vielleicht, ja. Aber ganz ehrlich, ich glaube, dass es sehr schwierig ist, wirklich herauszufinden, ob die Leute nur sagen, sie sind bereit, Geld auszugeben, oder ob sie es wirklich tun.

Tobi

Du hast jetzt eigentlich drei Beispiele genannt. Der LINC Profiler selbst, also das psychometrische Tool, was ja auch viele Unterprodukte hat, wenn ich das richtig verstehe. Dann die Dienstleistung, also eigentlich ein Beratungsgeschäft, wo ihr sagt, okay, ihr wollt eigentlich den Rundum-Service, wir geben euch Coaches an die Hand. Und dann eigentlich aus eurer Arbeit mit Coaches entstanden ein Online-Tool, welches Coaching im Online-Space einfacher macht. Gleichzeitig war jetzt mein Eindruck von außen betrachtet, so wie ich euch auf einer Messe kennengelernt habe: Ihr wirkt eigentlich wie eine One-Product-Company. Es gibt den Profiler. Wie sieht das heute aus, wenn du jetzt mal den Umsatz in grobe prozentuale Buckets einteilst?

Ronald Franke

Also der Profiler ist das Kernprodukt auf jeden Fall. Aber jetzt mittlerweile, wie du das auch schon gesagt hast, ausdifferenziert in verschiedenste Varianten auch. Das heißt also, wenn man Persönlichkeitsanalysen anbietet, dann ist es natürlich naheliegend auch zu sagen, wir bieten Analysen für verschiedene Themen an. Zum Beispiel Führungs-Tiefenprofile zum Thema Führung, zum Thema Stress. Oder spezifische Beratungsformen, weil man zum Beispiel sagt, es gibt Gründungsberatung, also bieten wir natürlich eine Analyse an für das Thema Gründungspersönlichkeit. Oder es gibt sehr viele Berufsberaterinnen und -berater, Karrierecoaches, also haben wir den Career Profiler, der sich darauf spezialisiert, welche Persönlichkeit zu welchem Jobprofil passt, auch bezogen auf die Big Five zum Beispiel. Solche Ausdifferenzierungen haben wir sehr viele. Das heißt, es ist immer die Frage, ob man das als eigenes Produkt nimmt oder dann eben sagt, okay, das ist alles eigentlich noch dieses eine LINC Personality Profiler Produkt. Wenn man das nimmt, ja, dann wäre das das Produkt plus Dienstleistungen. Das Coaching Board ist ein eigenes Produkt, das muss man sagen, das ist auf jeden Fall nochmal was ganz anderes.

Also ja, das ist auf jeden Fall richtig, der Profiler macht den Hauptteil des Umsatzes auch aus. Es gibt wachsende Bereiche wie zum Beispiel HR Solutions, die sehr stark wachsen.

Tobi

Der Profiler ist ja ein Produkt, was ich als beratende Person, als Coach nutzen kann. Ich mache die Ausbildung bei euch, zahle dafür circa 800 Euro, easy, zwei Tage Programm, und dann kann ich das anbieten. Wenn du jetzt sagst, HR Solutions, ist das dann etwas, wo ihr auch mit Freiberuflern, mit Coaches, die ihr ausgebildet habt, arbeitet? Oder habt ihr da wirklich auch angestellte Coaches?

Ronald Franke

Beides, genau. Also du hast das richtig skizziert. Wir sind ein B2B-Business, wir richten uns nicht an Endverbraucherinnen und Endverbraucher. Das heißt, wir stellen ein Instrument zur Verfügung, das entweder selbstständige Coaches nutzen, um in ihren Coachings nochmal einen anderen Zugang zu den Klienten zu finden. Es ist ja irgendwie naheliegend, dass man sagt, hey, wir haben hier ein sehr schön visualisiertes, sehr wertschätzendes Abbild deiner Persönlichkeit, und das können wir natürlich nutzen, um im Coaching über deine Themen zu sprechen oder nochmal auch da tiefer reinzuschauen. Das ist naheliegend, ich glaube, das ist klar, dass das für Coaches spannend ist. Das Gleiche gilt übrigens auch noch für andere Zielgruppen: Also wenn ich Berufsberatung mache, ich hatte es schon mal angesprochen, oder wenn ich so etwas wie Outplacement-Beratung mache, wenn ich Personalberatung mache. Also es sind so andere Bereiche, wo das genutzt wird. Aber das sind dann, sagen wir mal, Selbstständige, die das nutzen, um in ihrem Bereich ein Werkzeug zu haben, ein Tool, ein Instrument, was sie einfach noch ein bisschen besser werden lässt in dem, was sie tun. Und dann gibt es die andere Hauptzielgruppe, und das sind HR-Verantwortliche, die dann sagen, okay, wir möchten unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterentwickeln, wir möchten unsere Führungskräfte unterstützen, dass die erfolgreich führen, wir möchten

Teamentwicklung betreiben. Und da nutzt man natürlich als modernes Unternehmen auch entsprechende Instrumente dafür. Und dann gibt es auch immer natürlich verschiedene Angebote. Es gibt dann so typenbasierte Instrumente, die dann aber eher aus psychologischer Perspektive kritisch zu betrachten sind, weil sie einfach Stereotypendenken erzeugen und im Unternehmen etablieren, und das ist eigentlich das genaue Gegenteil von dem, was man ja machen will, wenn man HR-Entwicklung betreibt. Die HR-Verantwortlichen können sich eben auch zertifizieren lassen und können sich dann entscheiden: Möchte ich dieses Wissen, das ich jetzt über das Tool angesammelt habe, nutzen, indem ich wirklich selber auch das Instrument einsetze, ich selber die Auswertungsgespräche führe, die Entwicklungsgespräche, die Coachings durchführe, die Teamentwicklungsworkshops? Oder möchte ich das abgeben? Und wenn man das abgeben möchte, dann würde HR Solutions ins Spiel kommen. Das heißt, da arbeiten wir zusammen.

Tobi

Was ist denn eine konkrete Problemstellung, die ich habe, wenn ich das Tool nutze, oder die mein Klient hat, wenn ich jetzt sage, okay, jetzt packe ich hier den LINC Personality Profiler aus? Du hast jetzt schon ein paar gestreift natürlich, aber ich würde da gerne vielleicht noch ein bisschen tiefer reingehen. Weil ich selber auch merke, hier im Podcast mache ich ja des Öfteren Demo-Coachings, und wir nennen das dann auch immer Demo-Coaching, und je nachdem, welches Tool oder welche Methode wir showcasen wollen, bringe ich dann ein Anliegen mit, oder ich habe halt vorher irgendeinen Profiler ausgefüllt. Also wir haben das schon mit DISC gemacht beispielsweise, oder jetzt mit Lars und dem LINC Profiler. Und da merke ich dann auch, okay, wir führen ja eigentlich nicht unbedingt ein Coaching-Gespräch. Ich lerne gerade neue Dinge über meine Persönlichkeit, das ist interessant, ist ganz nett, aber so richtig ein Problem löst das für mich jetzt eigentlich gar nicht. Also wie sieht das in der Praxis aus? Welche Probleme

geht man an mit Tools wie dem LINC Profiler?

Ronald Franke

Ja, also was du mit Lars gemacht hast, war ein Auswertungsgespräch, kein Coaching. Das heißt, im Auswertungsgespräch, wie du schon richtig sagst, geht es erstmal darum, dass du deine Fragen stellen kannst, die beantwortet werden, und da ist auch nicht die Idee, dass du gecoacht wirst. Bei einem Coaching ist es halt so, dass man sich überlegt, also schauen wir uns ein normales Coaching an, was passiert da? Ich arbeite eine Fragestellung heraus, dann versuche ich erstmal irgendwie zu schauen, welche Einflussfaktoren gibt es auf diese Fragestellung, ganz individuell bei mir, und danach, welche Lösungsoptionen fallen mir ein, um diese Frage irgendwie zu lösen. Mein Coach ist ja nur dafür da, mich irgendwie zu begleiten und auch so ein bisschen zu leiten, damit ich eben vom Herausarbeiten der Fragestellung über die Einflussfaktoren zur Lösungsfindung gut durch diesen Gesprächsprozess geleitet werde. Ein

solches Instrument wie den LINC Personality Profiler, also eine differenzierte Persönlichkeitsanalyse, die kann ich nutzen, um entsprechende Ergebnisse auf die Fragestellung ganz konkret anzuwenden. Das bedeutet, die Grundfrage ist immer: Welchen Einfluss hat meine Persönlichkeit auf dieses Thema? Und im Coaching werden ja eigentlich nur Themen behandelt, wo die Antwort ist: einen riesengroßen Einfluss. Weil du im Coaching in der Regel nicht deine Steuererklärung machst, wo es Hard-Facts-Wissen braucht und wo die Persönlichkeit keine Rolle spielt. Das heißt, sämtliche Themen, die im Coaching kommen, sind von deiner Persönlichkeit extrem stark beeinflusst. Und insofern ist es dann natürlich ein Riesenvorteil, wenn du beim Nachdenken darüber, welchen Einfluss die hat, Informationen dazu hast. Jetzt zum Beispiel, nehmen wir mal ein konkretes Beispiel: Du bist eine Führungskraft, du musst diesen extrem herausfordernden

Prozess meistern, jemanden zu führen, und du sitzt beim Coach und möchtest Unterstützung dabei haben, indem du dir überlegst, wie kann ich noch erfolgreicher führen? Nur ist es so, dass deine Persönlichkeit den größten Einfluss von allen Einflussfaktoren überhaupt hat darauf, wie du führst. Also macht es natürlich sehr großen Sinn, mit einer differenzierten Persönlichkeitsanalyse mal zu schauen: Was ist überhaupt mein Führungsstil? Welche Teile von Führung fallen mir leicht und welche fallen mir schwer? Das ist nämlich abhängig von deiner Persönlichkeit. Wen kann ich leichter führen, und bei wem fällt mir das schwerer? Das ist abhängig von deiner und seiner Persönlichkeit. Die Frage ist: Warum coacht man so ein Thema ohne das Thema Persönlichkeit? Das erschließt sich mir eigentlich nicht. Womit du das nicht machen kannst, ist mit einem DISC, weil dann bist du nämlich der Blaue, und der Blaue, der ist immer irgendwie ruhig. Das sind Instrumente, mit denen man das eigentlich nicht machen kann. Du kannst nicht tiefer reingehen in irgendein Thema, wenn du ein Instrument hast, das nur vier

Persönlichkeiten kennt. Anders, wenn du ein differenziertes Persönlichkeitsmodell hast, wo es ganz unterschiedliche Profile gibt, wo du ein Modell dahinterliegen hast, das wirklich Persönlichkeit erfassen kann, wie das Big Five Modell, wo du auch auf die Frage von Motiven eingehen kannst, also: Will ich überhaupt, oder nicht?

Tobi

Das heißt also, es geht darum, die Herausforderungen, die ich habe, beispielsweise als Führungskraft, zu erklären, dafür eine Sprache zu haben, und über das Erklären dieser Herausforderung dann vielleicht auch Flexibilität in meiner Verhaltensweise zu finden. Also herauszufinden, okay, ich habe eine Präferenz, mich in diesem Kontext so zu verhalten, ich sehe, es gibt ein Spektrum, und ich kann mich vielleicht auch mal bewusst auf die andere Seite des Spektrums begeben, oder Frieden damit finden, auf dieser Seite des Spektrums zu sein, und das dann in meine Führung reinzubringen. Trifft es das, oder wie würdest du das beschreiben?

Ronald Franke

Ja, auf jeden Fall, das kommt der Sache nahe. Also grundsätzlich würde ich sagen, es ist so: Du verstehst überhaupt erstmal, warum du dich so verhältst, wie du dich verhältst. Du verstehst, dass dein Verhalten grundsätzlich bei jedem Menschen aus der Persönlichkeit entspringt. Das heißt, unsere Verhaltensweisen orientieren sich nicht ausschließlich an der Situation, sondern Menschen haben Verhaltensmuster, Menschen haben Denkmuster. Und wenn ich verstehe, warum ich mich so verhalte, also wo kommt das eigentlich her, dann kann ich mich damit auseinandersetzen. Nur dann kann ich mir überlegen, will ich mich weiter so verhalten? Kann ich das einfach ablegen? Weil das ist ja auch etwas, was oft in Coachings dann so gesagt wird: Ja, dann mach das doch mal anders. Wenn ich aber verstehe, dass natürlich meine Persönlichkeit auch immer mitkommt, man nimmt sich halt immer mit in jede Situation, dann kann ich mir überlegen, wie will ich damit umgehen, was bedeutet das, und wie kann ich vielleicht auch, statt einfach immer irgendwas zu ändern, auch die Menschen eher darüber informieren, warum ich mich so verhalte.

Verhaltensänderung ist möglich, auf jeden Fall, Persönlichkeitsänderung aber erstmal nicht, das muss man sagen. Das wird nicht passieren in so einem Coaching. Das heißt, ich habe einen ganz anderen Zugang, wenn ich die Persönlichkeit als extrem wichtigen Einflussfaktor sehe und sie überhaupt erstmal sichtbar mache. Das kann man übrigens auch ohne so ein Instrument. Das heißt, es gibt natürlich genügend Coaches, die auch einfach Fragen stellen in die Richtung und sagen, hey, erzähl mir doch mal, wer bist du denn eigentlich und wie führst du denn? Natürlich geht das, das will ich überhaupt nicht in Abrede stellen. Ich würde immer dafür plädieren, das Thema Persönlichkeit als einen wichtigen Einflussfaktor in allen möglichen Themen auch zu nutzen im Coaching. Und das muss nicht mit so einem Tool passieren, das kann man auch ohne machen. Mit so einem Instrument, wenn es gut ist, dann geht es halt schneller. Ich habe mehr Informationen, ich habe sie übersichtlich, sehr strukturiert und systematisch dargestellt. Das könnte ich auch im Coaching machen, wenn ich mir viele Stunden Zeit nehme und dann ein wunderbares Bild baue. Dann kann ich das auf jeden Fall auch.

Tobi

Gut. Wenn wir nochmal einen Schritt zurückgehen und nochmal auf LINC und eure Organisation schauen: Wie kann ich mir das vorstellen? Was unterscheidet euch von anderen Unternehmen? Macht jeder im Onboarding den LINC Profiler und steigt nochmal tief ein sozusagen in seine Persönlichkeit? Welche Rolle spielen eure Produkte? Nimm uns mal mit in euer Unternehmen und eure Kultur.

Ronald Franke

Also grundsätzlich ist es natürlich so, dass wir sehr viel auf das Thema Persönlichkeit eingehen, auch bei uns im Unternehmen. Also im Recruiting nutzen wir natürlich unsere Instrumente, wir nutzen die auch für die Entwicklung unserer Mitarbeiter. Und vor allen Dingen versuchen wir, in unserer Unternehmenskultur das zu leben, worüber wir sprechen. Also Führung zum Beispiel, oder eben, dass Menschen in ihrer Persönlichkeit ernst genommen werden, dass verschiedene Persönlichkeiten sich auch entwickeln können, dass unterschiedliche Persönlichkeiten akzeptiert werden. Und das ist für uns irgendwie ein Kern unserer DNA, dass wir sagen, hey, wir wollen nicht nur andere mit dem Thema Persönlichkeit beglücken, sondern auch intern bei uns dafür sorgen, dass jeder das Gefühl hat, ich kann hier ich sein, ich kann meine Persönlichkeit hier entfalten und auch entwickeln. Und dafür versuchen wir natürlich auch unsere Instrumente zu nutzen.

Tobi

Jetzt seid ihr, glaube ich, gerade auch in eurer Vermarktung unterwegs in die Internationalisierung, bringt den LINC Profiler auch in die USA. Was stellst du auf dieser Reise fest?

Ronald Franke

Kulturen sind unterschiedlich, aber man muss sagen, in dem Fall ist das jetzt erstmal was Positives, weil die Amerikaner das super aufnehmen und sehr positiv dem gegenüber sind, und wir auch in den Zertifizierungen das Gefühl haben, dass da viel Begeisterung und dieser klassische Enthusiasmus auch ist. Wir gehen auch in andere Länder und schauen, dass wir da Partner finden, im Moment erstmal englischsprachige Länder, und machen da momentan sehr viele positive Erfahrungen, was auch die Kommunikation angeht, was natürlich auch die Offenheit angeht.

Tobi

Und welche Rolle spielt das heute für euch? Wie viele Ausbildungen, wie viele LINC-Coaches gibt es, die nicht im deutschsprachigen Raum sind?

Ronald Franke

Ja, noch nicht die ganz große Rolle, muss man sagen. Also das ist etwas, das wir gerade entwickeln und was jetzt aber im Moment noch nicht so die ganz große Größe hat. Also Ziel ist es, dass wir bis zum Ende des Jahres zehn Sprachen haben, die zehn wichtigsten Sprachen sozusagen.

Tobi

Und wenn du jetzt drei bis fünf Jahre in die Zukunft schaust: Wie sieht LINC dann aus, welche Produkte, welche Märkte machen euch aus?

Ronald Franke

Also es wird auf jeden Fall sehr viel stärker das Thema KI dabei sein. Das ist einfach etwas, was jetzt auch für uns relevant ist. Das wird auf jeden Fall spannend. Ich kann das noch nicht ganz genau sagen.

Tobi

Das heißt, ich lese dann vielleicht nicht mehr ein PDF, sondern ich spreche mit meiner Auswertung, oder wie kann ich mir das vorstellen?

Ronald Franke

Zum Beispiel. Ja, zum Beispiel. Also es gibt dann verschiedene Möglichkeiten. Da will ich jetzt auch nicht so vorgreifen.

Tobi

Super. Dann würde ich vielleicht noch mit einer kurzen Lightning Round abschließen. Ich stelle dir eine Reihe von kurzen Fragen, und du darfst mit kurzen Antworten reagieren. Das am meisten überbenutzte Buzzword im Coaching-Markt dieser Tage.

Ronald Franke

Ein Buzzword wüsste ich jetzt nicht.

Tobi

Ein Buch, das jeder Coach gelesen haben sollte. Was nehmen Klienten falsch wahr, wenn es um Coaching geht?

Ronald Franke

Sie denken, dass Coaching Beratung ist.

Tobi

Die spannendste Innovation im Coaching- und Coaching-Tools-Markt dieser Tage. Und wenn du dir eine KPI, eine Messung raussuchen müsstest für Coaching-Erfolg, was wäre das?

Deine Lieblingsmethode, um dir neue Energie nach einer vollen Arbeitswoche zu verschaffen. Dein Rat für jeden, der ein Coach-Business starten möchte.

Ronald Franke

Wenn du es ehrlich wissen willst: Ich würde immer anbieten, Leute auszubilden. Mit Coaching Geld zu verdienen heißt immer, Leute auszubilden. Meine Erfahrung.

Tobi

Eine App, die du aus deinem Alltag nicht mehr wegdenken kannst. Und last but not least: das beste Investment, das du in den letzten Jahren in dich selbst gemacht hast.

Ronald Franke

Die Sauna.

Outro

Tobi

Das war es mit unserer unternehmerischen Masterclass mit Dr. Ronald Franke. Ihr habt es gehört: jetzt ab in die Sauna, Ronalds bestes Investment in sich selbst. Wenn du jetzt sagst, Sauna, nicht so meins, aber ich bin neugierig auf diesen Personality Profiler von Ronald, dann geh auf linc.de, mit C: L-I-N-C punkt D-E. Dort gibt es alle Infos zum Profiler und der zugehörigen Ausbildung. Wenn du sagst, puh, klang

interessant, aber ich will erstmal ein bisschen mehr davon sehen, dann stay tuned. In der nächsten Folge schauen wir uns das Profiler-Tool mit Ronalds Kollegen Lars nochmal genauer an und machen ein kleines Demo-Auswertungsgespräch. Ansonsten kann ich euch natürlich noch die Making of a Coach Folgen zur metaFox Stärken-Discovery mit Taina oder zum DISC-Profiler mit Roel empfehlen. Dafür einfach in eurem Podcast-Player nach unten scrollen. Wenn es euch gefallen hat, teilt die Folge oder den Podcast mit einer Freundin, einem Freund, einem Kollegen, und lasst eine Bewertung da. Wir sind dann wieder in zwei Wochen am Start. Das war es für heute beim Making of a Coach. Ich bin Tobi von metaFox und wünsche euch alles Gute auf eurem Weg. Lieben Gruß und ciao, ciao.